2021_08_Drohnen-Gruppe_DRK_RM__2_.JPG
DRK Ortsverein Sulzbach/Murr und Kreisverband Rems-Murr installieren Drohnen-GruppeDRK Ortsverein Sulzbach/Murr und Kreisverband Rems-Murr installieren Drohnen-Gruppe

DRK Ortsverein Sulzbach/Murr und Kreisverband Rems-Murr installieren Drohnen-Gruppe

Wie ein abgeschossener Pfeil, der schräg in den Himmel startet, schießt die Drohne davon, um gestochen scharfe Bilder vom Maisfeld zu liefern, wo sich – für eine Vorführung – jemand versteckt hat. Seit Wochen trainieren die Mitglieder der Drohnen-Gruppe des DRK Rems-Murr für den Einsatz. „Was können wir verbessern, um verletzten oder vermissten Menschen effektiver helfen zu können?“ Dieser Gedanke, der zur DRK-DNA gehört, trieb die ehrenamtlichen Einsatzkräfte an, ihre Drohne zeitnah für die Vermisstensuche einsetzen zu können. Bald ist es soweit.

Fachberater Drohne

Zwei Einsatzfahrzeuge des DRK stehen am Wegesrand. Zwei Drohnen kreisen in der Luft, beobachtet von einigen Rotkreuzlern. Ein Stromerzeuger versorgt Bildschirme, die vor den Wagen auf Tischen stehen, Ladegeräte und die übrige Technik mit Strom. Hightech beim DRK. Es reicht eben nicht, eine Drohne in den Himmel zu schicken, schildert Michael Budig, vom DRK-Ortsverein Sulzbach/Murr. Vier Personen bilden ein Drohnen-Team, schildert der Bereitschaftsleiter. Der Pilot bringt das Fluggerät, das voller Sensoren ist und über zwei Kameras verfügt, in Position. Sie sendet Live-Bilder an den Bildschirm, wo der „Fachberater Drohne“ Bildschirm, Wetter und weitere Details im Blick behält. Ein weiterer Rotkreuzler, der Luftraumbeobachter, steht dem Pilot zur Seite und betrachtet Drohne und Einsatzszenerie. Der Pilot muss die Drohne immer im Blick haben, Sichtflug ist gesetzliche Vorgabe. Ein Techniker ergänzt das Quartett. Jeder im Team beherrscht alles: Fliegen, Technik, Beobachten etc. und gehört automatisch einer DRK-Bereitschaft an, erläutert Michael Budig.

Soeben führen sie einen Vermissteneinsatz vor. Ein Helfer hat sich ins Maisfeld begeben. Die Drohne surrt heran. Auf den Bildschirm erscheint das Feld als endlose Reihe von Pflanzen. Menschen sind nicht zu erkennen. Dann schaltet die Kamera um auf Wärmebild und sofort erscheint die Silhouette der Person als Punkt, der sich farblich klar vom Untergrund absetzt. So schnell wie in diesem Beispiel findet man eine Person selbstverständlich nicht. Oftmals werden mehrerer Flächen abgesucht und abgeflogen, ohne dass die vermisste Person entdeckt wird.

„Wir können die Qualität von Sucheinsätzen verbessern“

„Wir müssen die Technik beherrschen, um Einsätze sicher durchführen zu können“, sagt Daniel Roth, vom DRK-Ortsverein Sulzbach/Murr. Gemeinsam mit Michael Budig war er die treibende Kraft bei der Einrichtung der Drohnen-Gruppe. Über eine Rettungshundestaffel verfügt das DRK Rems-Murr bereits. Doch auch die Spürnasen stoßen mitunter an ihre Grenzen: Während die Vierbeiner ihre Stärken in den Waldgebieten haben, sind die Drohnen in den großen Ackerflächen, an Uferrandgebieten von Flüssen und Seen, im Steinbruch, in den Weinbergen oder im bebauten Gebiet eine große Hilfe. Diese Lücke sollen die beiden Drohnen schließen, die das DRK angeschafft hat. Seit einigen Wochen laufen die Vorbereitungen. Hunderte Flugstunden werden gesammelt, Führerscheine beim Luftfahrtbundesamt wurden gemacht und die Gruppenmitglieder haben sich in Wetterkunde, Technik, Kartenkunde, Luftfahrt und Recht fortgebildet und wissen, welche Regeln in Lufträumen herrschen. „Wir können die Qualität von Sucheinsätzen verbessern“, kündigt Michael Budig an.

Wenn alle Vorbereitungen beendet sind, kann ihr Team als Einsatzformation des DRK von der Polizei angefordert werden. Dann würde die Integrierte Leitstelle die ehrenamtlichen Einsatzkräfte alarmieren. Ein bis zwei Sucheinsätze gibt es derzeit im Monat, Tendenz steigend, sagt Daniel Roth. Mitglieder würden jeden Einzelfall prüfen und entscheiden, ob die äußeren Faktoren wie Wetter einen Einsatz zulassen und die Wärme- und Sichtbildkameras entscheidende Bilder bei der Vermisstensuche liefern könnten. Aber auch zur Beobachtung von Einsatzlagen aus der Luft bei großen Einsätzen, Flächenbränden oder Hochwasserereignissen kann die Drohne starten. Wenn es sein muss, kann sie Lautsprecher für Durchsagen transportieren.

Drohne wird durch GPS stabilisiert

Die Technik ermöglicht zielgenaue Einsätze. In der Luft wird die Drohne durch GPS-stabilisiert. Die Einsatzleitung würde bei einem Suchauftrag Einsatzabschnitte bilden. Es kann manuell geflogen oder Koordinaten können eingespeist werden. So kann die Drohne ein definiertes Gebiet selbstständig abfliegen. Und wenn der Akku leer ist? Vor Ort können die Akkus getauscht und aufgeladen werden, die für 30 Minuten Flugzeit ausreichen. Die Drohnengruppe müsste im Ernstfall ständig Kontakt zur übergeordneten Einsatzleitung halten, je nach Suchauftrag und Einsatzgebiet müsste der Standort der Drohen-Gruppe gewechselt werden. Die Features der Drohne funktionieren bis zu einer Flughöhe von 120 Metern. Je tiefer sie fliegt, umso besser sind die Ergebnisse.

Auch ein Nachtflug ist möglich, dank Positions- und Blitzleuchten, sagt Daniel Roth. Im Niedrigflug kann ein Gebiet ausgeleuchtet werden. Sensoren bremsen die Drohne ab, falls beispielsweise Bäume im Weg sind. Wird eine Person gefunden, schwebt die Drohne über dem Standort und die Einsatzkräfte nähern sich. Die Wärmekamera erkennt Menschen, entweder als warmer Punkt vor kaltem Untergrund oder als blauer Punkt im Hochsommer, je nach Umgehungswärme. Bis zu 60 Kilometer pro Stunde kann die Drohne fliegen.

Drohne bleibt lediglich ein Hilfsmittel zur Unterstützung

Trotz aller technischer Hilfsmittel gilt: „Wir müssen aktiv suchen“, so Daniel Roth und „die Drohne bleibt lediglich ein Hilfsmittel zur Unterstützung“ – allerdings mit viel Mehrwert für das DRK. Die Kosten für Ausbildung etc. tragen die Ortsvereine. „Wir haben Ausgaben, aber keine Einnahmen“, schildert Daniel Roth. Dank der großzügigen Unterstützung der Volksbank Stuttgart konnten für den Start Drohnen angeschafft werden. Laufende Kosten für Akkus, technisches Material, Monitore fallen an. Von der Einsatzkleidung der Einsatzkräfte ganz zu schweigen.

Die Drohnen-Gruppe soll auch technik-begeisterte Menschen für eine Tätigkeit beim DRK interessieren, schildert Michael Budig Die aktuelle Personenstärke von 15 Helfern gewährleistet, dass die Gruppe immer einsatzklar wäre, wenn bald der Meldeempfänger piept. Dann zeigt der Melder ihnen an, was zu tun ist und die Organisation des Einsatzes beginnt. Dann surrt die Drohne, Mensch und Technik machen sich bereit, um bei einer Suchaktion zu helfen. DRK-DNA eben.

Informationen zur DRK-Drohnengruppe gibt Michael Budig, drohne@ov-sulzbach.drk.de, 0171/2060542. Auf www.betterplace.org können Sie für das Projekt spenden („Unterstützung der DRK-Drohnengruppe“).